Sammeltaxi, Hummer Jeep und Dauerstau

In der Stadt überwiegt heute der Individualverkehr, öffentliche Busse werden wenig benutzt und andere Verkehrsmittel für den öffentlichen Personenverkehr gibt es bisher nicht. Es gibt auch derzeit keine verfestigten Planungen, die einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit anderen Verkehrsmitteln vorsehen. Ein U-Bahnprojekt ist bisher kaum über das Stadium einer Voruntersuchung hinausgekommen und wird immer mal als Wahlkampfthema hochgekocht. Damit wird auf längere Sicht der Straßenverkehr die gesamte Verkehrslast tragen müssen. Bereits heute ist das Straßennetz weitgehend überlastet, es existieren lediglich drei Verkehrsachsen, in ost-westlicher Richtung, die nahezu den gesamten Verkehr aufnehmen müssen. Die Friedenstraße als eine dieser Achsen ist gekennzeichnet von Dauerstau an allen Kreuzungen, oft bis in die Abendstunden. 

Eine Zwischenstufe zwischen individuellem PKW Verkehr und öffentlichen Personennahverkehr sind zahlreiche Sammeltaxis, die von zentralen Punkten starten und zehn und mehr Personen befördern.
Ein besonderes Problem in der Zukunft wird der Verkehr zwischen den neuen Wohngebieten südlich der Bahnstrecke und dem Stadtzentrum sein. Hier entstehen derzeit Wohngebiete für mehr als fünfzigtausend Einwohner und es existieren nur zwei völlig ungenügende Straßenverbindungen, die bereits heute überlastet sind. In der Stadt gilt derzeit eine Regelung wonach Fahrzeuge mit bestimmten Nummern an festgelegten Tagen nicht am Straßenverkehr teilnehmen dürfen. Man erhofft sich damit eine Verkehrsreduzierung. 


Ein paar Worte zum Verkehrsgeschehen an sich, auf den Straßen der Hauptstadt ist immer Vorsicht geboten. Es wird allgemein gesagt ziemlich rücksichtslos gefahren. Im Stau werden auch alle Regeln außer Kraft gesetzt, da wird sich überall dazwischen gedrängelt, egal ob damit alles noch schlimmer wird, Hauptsache man ist selbst vorbei. Spuraufteilungen und Vorfahrtsregelungen sind in solchen Situationen völlig ohne Bedeutung, dazu kommt noch, dass ein großer Teil der PKW überdimensionale Jeeps sind, mit Rammschutz, extra hohen Fahrwerken und bulligen Motoren, hier gilt dann Größe hat Vorfahrt. Da viele Fahrzeuge aus Japan oder Hongkong importiert werden ist trotz Rechtsverkehr nie klar, wo der Fahrer sitzt, ein großer Teil der Autos hat demzufolge das Lenkrad auf der falschen Seite, was die Sache auch nicht einfacher macht. Besonders gefährdet sind in der Stadt Fußgänger, wenn sie bei starkem Verkehr die breiten Fahrbahnen an ungesicherten Stellen überqueren wollen. Man kann hier auch nicht wie gewohnt in der Mitte stehen bleiben, denn man weis nie wo die Mitte sein wird, es kann durchaus sein, dass bei vermeintlich drei Spuren einer eine vierte dazu eröffnet.
Eine Besonderheit in Ulaanbaatar ist die Tatsache, dass über Nacht keine Fahrzeug auf öffentlichen Straßen und Plätzen abgestellt werden, alle Fahrzeughalter parken in dieser Zeit ihre Fahrzeuge auf speziellen bewachten Nachtparkplätzen oder in Garagen.